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Woher kommt eigentlich der Muttertag?

 

Er spaltet ein wenig die Gemüter - der alljährliche Muttertag, an dem man Mama eigentlich einfach mal Danke sagen möchte für alles, was sie so während des Jahres für einen macht. Angefangen von der Hilfe bei den Hausaufgaben, dem Trösten und Schmerzen wegpusten, wenn man hingefallen ist, dem Nicht-gänzlich-ausflippen in der Pubertät, der Betreuung der Enkel, wenn man selbst Kinder bekommen hat oder den besorgten Fragen, die einen schließlich als Erwachsenen begleiten, bis man selbst in Rente geht wie "Hast Du auch genug gegessen", "Bist Du warm angezogen?" 

Die einen lieben es, dafür an einem Tag im Jahr schöne Blumen zu bekommen oder ein kleines Geschenk. Andere dagegen lehnen diese Art der Aufmerksamkeit ab, da der Muttertag für sie ein Frauenbild mit sich bringt, das nichts mit ihnen zu tun hat. Vor allem für  Frauen der 68er-Generation hatte der Muttertag lange einen unschönen Beiklang. Denn mit Wertschätzung hatte er für sie nicht zu tun. Vielmehr feierte der Muttertag für sie ein Frauenbild aus den 1950er Jahren, in denen Frauen sich noch ausschließlich um die Kinder kümmern sollten, dem Mann rechtzeitig das Essen zubereiten, die Pantoffel bringen und den Haushalt strahlend sauber halten sollten. Erschwerend kam hinzu, dass der Feiertag erstmals in den 1930er Jahren unter den Nationalsozialisten eingeführt wurde, um das Frauenideal der damaligen Zeit zu stärken. Für die 68er Generation ein unvereinbarer Fakt.

Anne Jarvis - Der gute Mensch von Virginia

Doch manchmal tut es dann doch ganz gut, tiefer ins Geschichtsbuch zu schauen. Und plötzlich entdecken wir, dass nicht die Deutschen, sondern die Briten und Franzosen den Muttertagskult zu uns brachten. In friedlicher Absicht. Und mit den besten Gedanken. Das Vorspiel begann bereits im 17. Jahrhundert. Genauer gesagt: an jedem vierten Sonntag in der Fastenzeit vor Ostern. Denn um die Entbehrungen wenigstens mal kurz zu unterbrechen, bekamen die Mägde und Knechte an diesem Tag frei – und besuchten ihre Eltern. Zum Beispiel mit selbstgebackenem Semmelbröselkuchen. In Frankreich und bei den belgischen Nachbarn in Wallonien gab es einen ähnlichen Brauch, wenn auch umgekehrt. Denn hier wurden die Besucher beschenkt. Man tat also gut daran, die Mutter dann auch einzuladen, um nicht einen echten Fauxpas zu begehen.

Den ersten echten Muttertag riefen schließlich aber ganz andere ins Leben: Ann Marie Reeves Jarvis und Julia Ward Howe - zwei Ladies aus Amerika. Ende des 19. Jahrhundert gründete Ann Jarvis in Virginia die Urwurzel des Muttertags: den Mother`s Day Work Club. Mit ihm wollte Jarvis weniger Mütter ehren, sondern erstmal ganz praktisch  die Lebensregionen und hygienischen Bedingungen in ihrem Land  verbessern und die hohe Kindersterblichkeit senken. Während des amerikanischen Bürgerkriegs wurde der Club dann zur wichtigen Anlaufstelle für Witwen gefallener Soldaten.

Der Muttertag als Friedensbotschaft

Die Frauenrechtlerin und amerikanische Publizistin Julia Ward Howe griff die Idee Ann Jarvis auf. Bereits 1872 forderte sie die Einführung eines nationalen Feiertages zu Ehren der Frauen – und scheiterte . Doch zusammen mit Jarvis gleichnamiger Tochter gelang es Julia Howe schließlich doch im Jahr 1907, jeden zweiten Sonntag im Mai das Memorial Mother’s Day Meeting zu feiern – eine Feier zu Ehren an Ann Jarvis und aller Mütter in ihrer Heimatkirche in Virginia. Das Presseecho erzeugte schließlich eine solche Welle der Sympathie und Solidarität, dass der Muttertag ab 1910 in ganz Virginia alljährlich begangen wurde.

Ab dem 8. Mai 1914 wurde er schließlich Dank Ann Jarvis Juniors Bemühungen, über die selbstgegründete Mothers Day International Association von Woodrow Wilson zum Feiertag erklärt. Jarvis sagte später, dass sie es irgendwann allerdings bereute, den Muttertag gegründet zu haben. Denn obwohl  Wilson den Muttertag eigentlich in Erinnerung an die Kriegsgegnerin Ann Jarvis zum Feiertag erklärte und damit zugleich auch eine Friedensbotschaft in die Welt schicken wollte, wurde schnell ein rein kommerzieller Feiertag daraus. Der machte vor allem Blumenhändler glücklich und verdrängte immer mehr die eigentlichen Wurzeln des Muttertags.

Doch Jarvis Geschichte zeigt, was der Muttertag tatsächlich bedeuten kann. Eine Wertschätzung der Frauen - international. Kann man sie dazu mit einem kleinen Geschenk glücklich machen und sie einmal richtig verwöhnen, freut sich heute jede Mutter. Denn es gibt ihnen das Gefühl, dass sie mehr sind als Haushaltshilfen, Köchinnen, Krankenschwestern oder Erzieherinnen neben ihrem Job.