Wo ist das Wasser?

Ebbe und Flut nennt sich dieses Spiel der Natur. Zusammengefasst werden sie als Gezeiten oder Tide bezeichnet. Die Höhenunterschiede des Wassers heißen Tidenhub. Zweimal pro Tag kommt und geht das Wasser. Das kommende Wasser ist „auflaufend“, das gehende „ablaufend“. Ist es vollständig da, nennt man es Hochwasser, ist es vollständig weg, heißt es Niedrigwasser. Bei Ebbe (Niedrigwasser) hat man den blanken Meeresboden, das „Watt“ vor sich, auf dem man spazieren kann, z.B. zur nächsten Insel. Dies sollte man allerdings nur mit einem erfahrenen Wattführer tun, denn auch bei Ebbe birgt das Watt einige Gefahren. Die Geschwindigkeit des auflaufenden Wassers wird leicht unterschätzt. Wenn man sich dann beim Spazierengehen im Watt zu weit vom Festland entfernt hat, kann man schnell vom Wasser eingeschlossen sein, so dass der Weg zurück, zumal in dem schlammigen Boden, nicht mehr rechtzeitig möglich ist.

Der Mond ist durch seine Gezeitenkräfte der Auslöser für Ebbe und Flut. Zweimal am Tag zieht sich das Wasser von der Küste zurück, um dann nach und nach wieder zurückzukehren. Die Anziehungskraft des Mondes hebt das Wasser in die Höhe, so dass es einen Flutberg bildet. Dabei bewegt sich die Erde unter dem Flutberg hindurch. Da wir jedoch die Erdrotation nicht spüren, scheint es, als würde das Meer steigen.

Die Anziehungskraft des Mondes ist auf der ihm zugewandten Erdhälfte größer, während auf der dem Mond abgewandten Seite die Fliehkräfte überwiegen. Als Folge hiervon haben wir auf der dem Mond zugewandten Seite einen Flutberg durch Anziehungskraft und auf der dem Mond abgewandten Seite einen Flutberg durch Fliehkraft. Dazwischen liegen zwei Ebbe-Täler.

Wenn sich die Erde in 24 Stunden einmal um sich selbst gedreht hat, ist der Mond in dieser Zeit ein Stück weiter gewandert. Die Erde muss sich also ein Stück weiter drehen, bis sie den Mond wieder eingeholt hat und sich wieder direkt unter ihm befindet. Dies dauert im Durchschnitt ca. 50 Minuten, so dass der Wechsel von Ebbe und Flut in immer gleichen Zeitabständen von ca. 12 Stunden und 25 Minuten stattfindet.

Da man nicht immer „mitrechnen“ möchte, gibt es für die Küstenorte sogenannte Gezeiten-Kalender, in denen man ablesen kann, wann Hochwasser und wann Ebbe ist, so dass man das Badevergnügen planen kann und nicht erst nachsehen muss, ob überhaupt Wasser da ist. ;-)

Baden sollte man übrigens am besten immer bei auflaufendem Wasser, da sich beim Ablaufen des Wasser gelegentlich starke Strömungen bilden können.

Kommt es bei Einsetzen der Flut zu starkem auflandigem Wind, was hauptsächlich im Herbst und Winter der Fall ist, kann es zu einer Sturmflut kommen, das heißt, das Wasser steigt dann 1,5 bis 3,5 Meter über die normale Höhe des Hochwassers. Bei über 3,5 m spricht man von einer sehr schweren Sturmflut. Damit das Wasser nicht ungehindert ins Binnenland läuft und das Land und die Häuser überflutet, sind die Küsten eingedeicht. Deshalb sind die Deiche für die Küstenregionen so enorm wichtig und werden intensiv gepflegt und instand gehalten. Einen Teil dieses Deichschutzes übernehmen übrigens die Schafe, die dafür sorgen, dass die Grasnarbe fest getrampelt wird und der Deich dem "Blanken Hans", wie die Nordsee auch genannt wird, trotzen kann.