Nikolaus in Europa – vom wilden Mann und gutmütigen Wohltäter

Roter Umhang und weißer Rauschebart – dieses Bild vom Nikolaus begleitet uns schon seit Kindertagen.  Einmal im Jahr werden für ihn in Deutschland von Kindern die Stiefel geputzt und vor die Tür gestellt. Denn Nikolaus soll darin in der Nacht herrliche Leckereien hinein legen.  Lange hielt sich das hartnäckige Gerücht, dass sich hinter dem pausbäckigen Mann, der sich durch viel zu enge Kamine zwängt und mit seinem rotnasigen Rentier unfassbar weite Strecken zurücklegt, eigentlich nur eine Werbefigur des Getränkeherstellers Coca-Cola versteckt. Sein Aussehen erhielt Nikolaus jedoch bereits 1863 vom Karikaturisten Thomas Nast, der für das Wochenmagazin Harper´s Weekly einfach eine Zeichnung von Santa Claus nach dem Sinterclaas Bild holländischer Einwanderer entwarf.

Neben der Zeichenfigur fußt Nikolaus aber vor allem auf einem historischen Vorbild von einem echten Wohltäter: Bischof Nikolaus von Myra – ein katholischer Geistlicher, der im vierten Jahrhundert im Gebiet der heutigen Türkei lebte. Die Schokolade im Stiefel war dabei einst nur einer einzelnen Familie vergönnt - und bestand aus puren Goldklumpen. Drei Nächte hintereinander beschenkte Nikolaus von Myra damit nämlich einen Mann und seine drei Töchter und warf das Gold einfach durch ihre Fenster, nachdem er vom drohenden Schicksal der drei jungen Frauen gehört hatte. Denn vollkommen verarmt, hatte der Vater geplant, seine Töchter zu prostituieren, um dem Bankrott zu entkommen. Erst Dank Nikolaus Gabe blieb den jungen Frauen dieses Schicksal erspart.

Nikolaus-Gesicht

Weitere Geschichten um die guten Taten des Nikolaus ließen danach nicht lange auf sich warten – die Legenden ebenso wenig. Denn fortan füllte er auch Kornkammern ewig aufs Neue, holte Verstorbene wieder ins Leben zurück, ließ Betrüger zu guten Menschen werden und rettete noch lange nach seinem Ableben - nach glaubhaften Augenzeugenberichten mancher Matrosen  - auch immer wieder Schiffsbrüchige. Der Patron der Seeleute war damit wie von selbst auserkoren.

Rettung in Not, Goldklumpen, die durch Fenster kommen oder Schokolade  im Stiefel – in Österreich ist dieses Bild vom Nikolaus dagegen so weit entfernt wie sein Rentier, das in Lappland erstmal Pause macht. Denn wild behangen mit Stroh und Pelzumhängen krachen hier vor allem Nikolaus dunkle Begleiter, die Krampusse und Buttenmandl, am 5. und 6. Dezember nachts durch die Straßen und erschrecken mit wilden Glockenschlägen, Tatzenhieben und Schreien jeden, der ihnen in den Weg kommt. Wer Nikolaus, umringt von den wilden Männern da überhaupt noch zu Gesicht bekommen möchte, muss gute Nerven haben.

Auch in der Schweiz sollte man gruselfest sein, will man Nikolaus begegnen. Denn im Allgäu bescheren die altheidnischen Bräuche den Bewohnern in der Nacht vom  5. auf den 6. Dezember beim „Klausentreiben“ ein wahrhaft gespenstisches Treiben: Junge Männer laufen mit Masken und Tiergeweihen verkleidet durchs Dorf  und verscheuchen mit viel Lärm böse Geister- und da diese eher selten da sind, mit Vorliebe auch Schaulustige.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt nur beim Blick auf den 6. Dezember in Skandinavien: Denn Dänemark und Schweden sind auf der Route des Nikolaus einfach ausgespart. Was die einen reduziert haben, haben andere wiederum umso mehr: Luxemburg und die Niederlande. „Kleeschen“ und „Sinterklaas“ kommen am 6. Dezember nämlich auch gleich zur großen Bescherung angereist und läuten das Weihnachtsfest vorgezogen ein. Und wer glaubt, dass Nikolaus nur aus dem hohen Norden kommt, der wird in Holland gleich noch mit einer weiteren Überraschung konfrontiert: Schiff statt Rentier heißt hier nämlich die Devise, wenn Sinterklaas ganz relaxt und live im Fernsehen übertragen von Spanien aus seine Reise zum Geschenke  verteilen in den Niederlanden antritt. Ein bisschen Sonnenbräune um die Nase inklusive.